Was ist wichtig

Kreuzwort vom 08.09.2018

Dieser Tage war ich wieder einmal in der Großstadt, nämlich in Frankfurt. Und da ich lediglich jemanden zu einem Termin fahren musste, hatte ich einfach so zwei Stunden Zeit in der Stadt – Zeit, um das Treiben und die Menschen zu beobachten: Ein Mann im Businessanzug vor einem Bankenhochhaus - mit eindrücklicher Miene gestikuliert er, das Ohr am Smartphone. Ein Politiker, der mit Blaulicht und Polizeieskorte beschleunigt durch die Stadt gefahren wird. Eine Mutter, die lautstark auf ihr Kind einredet, weil sie noch diese und jene Einkäufe tätigen muss. Menschen, die bettelnd und manchmal mit entwürdigend unterwürfiger Geste am Gehwegrand sitzen. Alles Menschen, die aus ihrer Sicht gerade etwas enorm Wichtiges zu tun hatten, jedenfalls deuteten die nachdrücklichen Gesten darauf hin.

Da ist mir bei meinem Philosophieren eine Frage in den Sinn gekommen: Was ist eigentlich wichtig? Und ich habe angefangen zu überlegen, wo ich Dinge so wichtig nehme und vor allem darüber, ob sie wirklich so wichtig sind. Und ich habe festgestellt, dass es in den wenigsten Fällen tatsächlich so ist. Wie oft entpuppen sich vermeintlich wichtige Dinge oder Angelegenheiten im Nachhinein bzw. nüchtern und mit einem gewissen Abstand betrachtet, als zweitrangig und manchmal auch völlig unbedeutend.

Und da ist mir ein Satz von Jesus in den Sinn gekommen: „Niemand kann zwei Herren dienen: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“! Der Mammon, das Geld aber eigentlich der Besitz ganz allgemein. Ist es wirklich wichtig, das schnittige Auto oder das schicke Kleid, die hype Wohnzimmerlounge oder das neueste Entertainementcenter zu besitzen? Geht es mir dann besser? Bin ich dadurch wirklich glücklicher?

Was ist wirklich wichtig im Leben? Als Pfarrer erlebe ich es immer wieder, dass Menschen plötzlich ausgebremst werden. Durch Krankheit oder Jobverlust, eine Beziehung, die in die Brüche geht oder gar einen Todesfall. Dann taucht diese Frage unweigerlich auf, weil dann vermeintlich Wichtiges plötzlich unwichtig wird, weil es mir nicht (mehr) hilft. Anderes dagegen gewinnt an Bedeutung: Freunde und Freundinnen, Beziehungen, die Familie, Gesten des Verständnisses und der Zuwendung. Einfach Menschen die dann irgendwie da sind. Glauben bedeutet für mich, in Beziehung sein. Mit anderen Menschen und mit Gott. Das trägt wirklich.

Da fällt mir ein: Es gab mal ein Buch, „Haben oder Sein“. Für mich war darin ganz gut beschrieben, was in unserer Welt der oben zitierte Spruch Jesu bedeuten kann. In meinem Bücherregal steht es noch, ist schon ein paar Jahrzehnte her, dass ich es zuletzt gelesen hatte …

Meint Ihr Peter Kolb